zurück

Steuern Schweiz – ein paar interessante Vergleiche

20.07.2020 Publikationen

 

Ein Beitrag von

Gerhard Roth

 

Einführung

Wo steht die Schweiz mit ihrer Steuerlast im internationalen Vergleich und wie sieht die Verteilung der Steuerlast innerhalb der Schweiz aus. Nachfolgend geben wir Ihnen einen interessanten Überblick dazu. Die Zahlen sind gerundet und die Abzüge nicht vollständig berücksichtigt. Die Aufstellung ist somit eine rein synoptische Darstellung und taugt nicht für die persönliche Steuerplanung.

 

International

Die Schweiz wird international immer wieder als Steuerparadies dargestellt. Das ist mit Blick auf die natürlichen Personen schlicht falsch. Im internationalen Vergleich wird die Steuerlast anhand des sogenannten Tax-Freedom-Days ("TFD") gemessen. Dies ist jener Tag im Jahr, ab welchem eine Person nicht mehr ausschliesslich für die Steuern arbeitet. Eingerechnet werden darin auch Sozialversicherungsbeiträge und der soziale Teil der Krankenkassen.

Die Schweiz liegt in diesem Vergleich im Mittelfeld. Während der Australier bis am 12. April für diese Abgaben arbeiten geht, dauert es beim Franzosen bis zum 26. Juli. Beim Schweizer ist es der 14. Juni. Besser ergeht es den Spaniern, den Dänen oder den Briten; schlechter den Deutschen, den Italienern oder den Schweden.

Bei den Unternehmenssteuern sieht die Sache etwas besser aus. Die besten Schweizer Kantone sind, verglichen mit der EU, an der Spitze – höchstens noch geschlagen von Ungarn oder Bulgarien. Ein Kanton wie Bern oder Genf rutscht dann aber schnell auf Platz 21 ab (von 27).

Ein Vergleich mit den OECD Ländern und den G-20 zeigt dann aber, weshalb von dieser Seite immer wieder politischer Druck kommt. Der beste Kanton liegt über alle diese 43 Länder auf Platz 2, der schlechteste auf Platz 25. Die Anfeindungen der Schweiz und die Drohung mit Listen aller Farbschattierungen unter dem Deckmantel der Steuergerechtigkeit sind nichts anderes als fiskalpolitische Machtspiele, um die Position der Schweiz zu schwächen.

 

Im Inland

Ein Ehepaar bezahlt bei identischen Parametern in Zug 16%, in Zürich 22%, in Basel 27%, in Bern 29% und in Neuenburg 32%. Das bedeutet eine doppelt so hohe Steuerbelastung innerhalb von 170km. Der Tax-Freedom-Day (hier bloss für die Steuern gerechnet) liegt in Zug beim 27.02., in Zürich beim 20.03., in Basel beim 07.04., in Bern beim 14.04. und in Neuenburg beim 25.04. Bei höheren Einkommen schiebt sich der TFD aufgrund der Progression nach hinten.

Bei den Unternehmen zeigt sich das gleiche Bild, bloss mit anderen Akteuren. Bei identischen Faktoren bezahlt eine Gesellschaft in Bern oder Zürich 27% Steuern, diejenige in Nidwalden 13.5%. Dies bedeutet für einen Zürcher oder Berner Unternehmer, dass er bis zum 7. April arbeiten geht, bis er endlich damit beginnen kann, die Löhne seiner Angestellten zu bezahlen und die notwendigen Investitionen zu tätigen. Es wäre spannend zu sehen, ob die Bezüge und die tatsächliche Verwendung der Corona-Kredite mit diesen Steuerquoten korrelieren.

 

Fazit

Die Unterschiede, sowohl international als auch innerhalb der Schweiz, sind erheblich. Eine doppelt so hohe Steuerbelastung innerhalb eines so kleinen Landes, gekoppelt mit der Tatsache, dass in Kantonen mit tiefer Steuerbelastung die durchschnittlichen Einkommen deutlich höher sind, als in Kantonen mit hohen Steuerbelastungen, führt über kurz oder lang zu gesellschaftlichen Problemen. Dass hohe Einkommen tiefe Steuersätze suchen und finden sollte den traditionell "teuren" Kantonen zu denken geben und sie zum Handeln anregen. Dass es dabei mit einer einfachen Steuersenkung nicht getan ist, zeigt das Beispiel des Kantons Luzern. Die Einführung von Mindeststeuersätzen, wie sie die politisch andere Seite fordert, würde allerdings ebenfalls das Gegenteil dessen bewirken, was bezweckt war.

 

Artikel als PDF herunterladen